Herr Reich-Ranicki hat den deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk abgelehnt. Er erklärte das in der entsprechenden Sendung, zurückhaltend und recht diplomatisch. Elke Heidenreich hat die Veranstaltung erlebt und schreibt heute darüber:
"Der Kritiker, der Spielverderber ist weg, nun ziehen wir unsere hirnlose Scheiße durch bis zum Schluss. Wo waren die Programmdirektoren und Intendanten in diesem Augenblick, warum kam keiner von ihnen auf die Bühne, um etwas zu sagen? Weil es verknöcherte Bürokarrieristen sind, die das Spontane längst verlernt haben, das Menschliche auch, Kultur schon sowieso.
Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde. Ich schäme mich, ich entschuldige mich stellvertretend für alle Leidenden an diesen Zuständen, und derer sind auch in diesen verlotterten Sendern noch viele, bei Marcel Reich-Ranicki für diesen unwürdigen Abend. Ja, bitte nimm den Preis nicht an, jetzt nicht und nie. Lass dich nicht einlullen. Und rede nicht mit den Vertretern der Sender, es bringt nichts. Sie werden es nicht begreifen." zit.: Reich-Ranickis gerechter Zorn.
Man könnte jetzt darüber mutmaßen, warum MMR überhaupt in der Sendung erschien. Jedenfalls hat er sein Lebenswerk gerettet, als er diesen Preis nicht annahm. Plötzlich stehen hinter ihm andere, die den Zirkus jahrelang mitmachen und dann doch erkennen, dass manche "Ehrung" den Geehrten mehr in den Dreck zieht als jede Kritik. Daraus die Konsequenzen zu ziehen, ist eine Frage der Ehre.
Außerdem hat er so mehr Platz im Trophäenregal.
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