Umwelt"schutz" + Zukunftsvernichtung = Öko-Nihilismus

Buchempfehlung: "Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie"

Autor: Edgar L. Gärtner

Kurzüberblick: Pros und Cons

Pros

  • der Autor vertraut auf die problemlösende Kraft der menschlichen Vernunft
  • geht auf die so gut wie nie besprochenen Grundlagen des Klimawandel-Konzepts ein
  • das Buch gibt einen geschichtlichen Überblick der letzten Jahrzehnte
  • besonders die Romantik (geordneter Kosmos wird idealisiert) und der Kalte Krieg (äußerer Feind ist wichtig für inneren Zusammenhalt einer Gesellschaft) leuchten als geheime Stationen des heutigen Klimaverständnisses
  • der Autor hat einen Hang zum Sarkasmus (ohne den eine langjährige Arbeit zur Klimapolitik vermutlich unerträglich wäre)
  • er nimmt den Leser mit, aber belehrt ihn nicht

Cons

  • ab und an wird die strenge Themenstruktur vernachlässigt zugunsten der Abrechnung mit den politischen Nihilisten
  • eine grafische Aufbereitung hätte sich bei der Themenfülle angeboten - leider gibt es keine
  • der Autor liebt Schachtelsätze :(

Ich geb's zu: es war schwer, wenigstens 3 Kritikpunkte zu finden. Denn "Öko Nihilismus" ist ein Buch, nach dem ich lange gesucht hatte und das ich dennoch gar nicht mehr erwartet hatte. Wie ich zu dem Buch kam, ist eine Geschichte für sich, ich berichte in Kürze. Aber hier schon mal herzlichen Dank an jo@chim und das Antibürokratieteam und Andrè F. Lichtschlag (ef-magazin). Ich hoffe, ihr erinnert euch noch :)

Über den Autor

"Öko-Nihilismus" ist das neueste Buch des Umweltjournalisten und Buchautors Edgar L. Gärtner. Der Verfasser zählt zu den wichtigsten deutschen Ökologen. Er ist außerdem "Direktor des Umweltforums des Centre for the New Europe (CNE), einer Denkfabrik in Brüssel.

Anders als der grüne Mainstream vertritt er vehement technik- und wachstumsbejahende Positionen. Bereits in den siebziger Jahren wies er im Magazin "Konkret" auf die menschenverachtenden Konsequenzen der vom Club of Rome initiierten, berühmt-berüchtigten Studie 'Die Grenzen des Wachstums' hin." (Klappentext)

Was verspricht das Buch?

Es gibt Antworten auf politisch unkorrekte Fragen. Ich weise darauf hin, dass die Kurzfassungen der Antworten nur einen groben ersten Eindruck vom Thema zeigen können und sollen.

  • Warum entwerfen (umwelt)politische Aktivisten bis hinauf zu UN Gremien die Welt als geschlossenes System? - Weil energetisch offene Systeme keine Treibhäuser sein können, da sie immer Teil ihrer Umwelt sind. Und nur eine willkürliche Grenzziehung wie der "Treibhauseffekt" stützt simple Ursache-Wirkungs-Beziehungen wie die, dass der Auto fahrende Mensch die Polkappen zum Schmelzen bringt.
  • Wer profitiert von der Missionierung der westlichen Welt durch dieses Weltbild? - Hier treffen wir die üblichen Verdächtigen. Allerdings untermauert Gärtner diese Behauptungen mit Zahlen, die die immensen Kosten aktueller Umweltpolitik zeigen.
  • Wie kam es zum Siegeszug der Öko-Nihilisten? Der historische Abriss war für mich die größte Überraschung und gehört zum Aufregendsten des Werkes (was ich anfangs überhaupt nicht erwartet hatte). Die ersten Umweltlehren waren Kinder der Romantik und hatten deutlich religiöse Züge. Die Geburtshelfer des heute gängigen Umweltverständnisses waren allerdings nicht die Grünen - sondern die Strategen des Kalten Krieges!

Sie wollten "die öffentliche Meinung der westlichen Welt (...) einer Art Schockbehandlung" (S. 209) unterziehen - es ist ihnen gelungen. Heute ist die grüne Bewegung die effektivste Form des 'Klassenkampfes von oben'. Auf diesen brisanten Teil gehe ich hier nicht ein, man muss die Fülle der Materialien und sorgsam gewählten Zitate im Zusammenhang lesen, um die Tragweite von Gärtners Enthüllungen zu erfassen.

Ich habe vor "Öko-Nihilismus" nur Artikel, doch kein anderes Buch über die politischen Umweltaktivisten gelesen. Ich halte Gärtners Buch für einen Meilenstein in der Aufklärung, doch das mögen passionierte ähm... Klimaleugner* anders einschätzen. *Ich finde diese plumpe Wortschöpfung faszinierend. :)

Weltbild des (Öko)Nihilismus

Gegenüber den horrenden Subventionen und dem nicht vorhandenen Erfolg der Klima-Politik ist der vom Autor favorisierte freie Markt die einzige Alternative. Das um so mehr, als die Lobbyarbeit (Gehirnwäsche?) der Ökokartelle diese weit gebracht hat: In einer Forsa-Umfrage 2004 sprachen sich "zwei Drittel der befragten Deutschen für eine Fortsetzung der Subventionierung des Ausbaus des Anteils der Windenergie an der Stromversorgung" aus. (S. 27) Und wenn das noch normal klingt, hier die Zahlen dazu:

  • Stromerzeugungskosten beim bisherigen Primärenergiemix: 3 Cent/ kWh
  • nach den Plänen der Bundesregierung steigen die Erzeuger(!)preise auf 9 Cent/ kWh
  • darin führend sind Strom durch Windenergie mit 9,1 Cent und
  • Strom durch Solarenergie mit 57,4 Cent/ kWh
  • FAZ Meldung vom 17.6. 2008: bis zum Jahr 2020 reißt die fehlende Leistung von 10 Kohlekraftwerken empfindliche Lücken in die Grundstromversorgung. Motto: Kanonen Gänseblümchen statt Butter!

So weit, so gut. Unternehmertum, Wettbewerb, Produktivität, Kapitalismus sind besonders bei den Deutschen nicht mehrheitsfähig. Das mag die Ursache sein, dass Gärtner den Markt mit einer Werteordnung stützen will. Auch das verstehe ich noch. Aber dass diese Werte die 10 Gebote sein sollen ... da kann ich nicht mitgehen. Dabei geht es gut los:

  • Der Autor entlarvt die grüne Politik als nihilistisch. Das deutet sich gleich auf den ersten Seiten an, wenn er schreibt, dass "die scheinbar so lebensbejahende 'Klimapolitik' einem Todeskult nach nazistischem oder islamistischem Vorbild den Weg bereiten kann." (S.9) Und auf S.12 präzisiert Gärtner: "Als dann in den 80er Jahren grüne Parteien und die Regenbogenkriegerorganisation Greenpeace auf der politischen Bühne auftauchten, war mir längst klar, daß es sich hierbei um eine Bewegung handelte, die sich nicht auf ein evolutionistisches Weltbild berufen konnte, sondern eher einer stationären, vordarwinistischen Naturauffassung anhing und Politik im Sinne eines intelligent design betrieb."
  • Der Nihilismus ist die Folge von Gottes Tod: es fehlt der jahrtausendealte sinnstiftende Bezugspunkt einer Kultur. Mit "Gott ist tot" markierte Friedrich Nietzsche das Ende des christlichen Zeitalters.
  • Mehr als ein Jahrhundert später zeigen Sozialstaat und dessen Ökopolitik deutlicher als je zuvor, wovon Nietzsche sprach. Und dann das: Gärtner bietet als "Ausweg" mehr des Alten an. Das ist nicht gerade ermutigend.

Aber da die Frage einer zukunftsfähigen Weltsicht "nur" die Leinwand ist, auf der die vielfältigen Fragen nach Klima und Umweltschutz bedacht und kritisiert werden können, sind verschieden Ansichten darüber nicht zentral für das Buch.

Lesen: ja! Warum?

Dieses Buch empfehle ich jedem, der mindestens ein vages Unbehagen ob der Ineffektivität und der horrenden Kosten des Umweltschutzes hat. Wer statt Verschwörungstheorien detaillierte und verständliche Analysen will, für den ist "Öko-Nihilismus" eine wahre Goldgrube.

Wusstest du z.B., dass die Warnungen von schmelzenden Polkappen, steigendem Meeresspiegel, 3,5 Grad Erderwärmung etc.pp. alle auf Computersimulationen beruhen? Simulationen, in denen Niederschlag und Wolkenbildung nicht erfasst werden können (zu schwer zu berechnen) und darum wurden sie weggelassen. Das ist ungefähr so, als ob man ein Auto ohne Räder fahren will und vor seiner miserablen Laufleistung warnt.

Oder wusstest du, dass die Treibhauseffekt-Theorie auf ein vor 110 Jahren entworfenes Modell zurückgeht? 1896 entwarf es der Chemiker Svante Arrhenius. Allerdings konnte er "niemanden überzeugen, weil die Annahme einer CO2-reichen Schicht in sechs Kilometern Höhe schlicht der Tatsache widerspricht, daß Kohlendioxid schwerer ist als die Hauptbestandteile der Luft." (S. 70)

Fazit

Dieses Buch weist nach, dass und wieso fast alles, was wir über Weltklima, Treibhauseffekte, Klimakatastrophe zu wissen meinen, falsch ist. Und es verschont den Leser mit neuen "10-Punkte-Aktionsplänen" zur Weltrettung. "Öko-Nihilismus" zeigt auch, dass man nicht über Umweltfragen reden kann, ohne Familie, Wissenschaft, Politik, Weltsicht einzubeziehen. Damit hilft es, die Welt von heute wieder zu enttrivialisieren. Es verweigert sich jeder Fachidiotie.

Zum Schluss meiner Buchempfehlung noch einmal Edgar L. Gärtner zu den Lehren der Geschichte des 20. Jahrhunderts:

"Lernen können wir aus diesen Katastrophen, daß nicht das Bestand hat, was arrogante Intellektuelle sich ausdenken und Bürokraten am grünen Tisch entscheiden. Bestand haben auch nicht die von 'kleinen Leuten' erträumten scheinbar bequemen bürokratisch-kollektivistischen 'Lösungen' von Problemen wie Arbeitslosigkeit, Umweltverderbnis und Armut. Bestand hat letztlich nur das, was sich so niemand ausgedacht hat, weil es nicht das Ergebnis feststehenden Wissens, sondern das Ergebnis von Suchen, Lernen und Wetteifern auf dem Markt ist." (S. 176)

Links

Homepage des Autors: www.gaertner-online.de
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