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Wem nutzt die Vogelgrippe?

Welch unerhörte Frage. Grippe nutzt niemandem! Höchstens sollte gefragt werden, wer kämpft wie weitsichtig, effizient, vorausschauend gegen diese Plage. - Dennoch die Frage: wem nützt sie? Wer verdient an der Vogelgrippe?

Vogelgrippe, drohende Pandemie 20 Prozent der Deutschen sind gegen Vogelgrippe geschützt. Das freut uns. Obwohl ... niemand weiß, ob Tamiflu wirklich gegen Vogelgrippe schützt. Oder ist die unschöne These doch zutreffend, dass es gesunde Menschen erst krank machen kann, und zwar ernstlich? ... Gewiss nicht, es ist das Mittel der Wahl.

Wer verdient?

Ein Geschäft mit der Vogelgrippe macht der Basler Pharmakonzern Roche. Sein Medikament hilft angeblich nicht nur gegen die gewöhnliche Influenza, sondern auch gegen die Vogelgrippe aus Asien. Mehr über die Hoffmann-La Roche AG hier.

Tamiflu wurde von der US-Firma Gilead Sciences entwickelt. Sie vergab die Lizenz 1996 an Roche. Der bekam das Recht, Tamiflu bis 2016 herzustellen und zu vermarkten. Bis dahin war Tamiflu ein teurer Ladenhüter.

... und dann: Vogelgrippe

Nach den ersten Meldungen über Vogelgrippe in Asien leitete Gilead Science eine Klage gegen Roche ein und forderte die Lizenz zurück. Denn das Unternehmen habe ”zu wenig für den globalen Vertrieb des Mittels getan".

Im Klartextz: Roche hat es vergeigt. Nix getan, um Tamiflu als Nonplusultra zum Schutz  vor einer Pandemie zu etablieren. Im Februar 2006 scheint es, als hätten sie ihre Lektion gelernt. Roche holt das Versäumte nach.

Wilson-Fans werden sich  an die in "Illuminatus" erwähnte  AMA (American Medical Association) erinnern. Heute hat sie den Namen geändert: in ”Vertretung der pharmazeutischen Industrie der USA” (PhRMA). Ansonsten blieb alles beim alten.

Beispiel: AIDS. Die US Pharma-Industrie hat im Einklang mit ihrer Regierung erklärt, dass sie grundsätzlich für Gesundheit sei und gegen Epidemien. Grundsätzlich. Doch während in Afrika mit steigender Tendenz gestorben wird, schützt sie eisern ihre Lizenzen und hält mit konkurrenzlos guten Preisen die Gewinne hoch.

Afrika ist halt ein Markt, und auf einem Markt verkauft man. Was sonst. AIDS, könnte man zynisch sagen, ist die Zukunft. Und warum? Weil die US-Pharma-Industrie Umsatzverluste durch die preiswerte Herstellung von Generika weitgehend zu verhindern wusste.

Kein Monopol für Tamiflu

Zurück zur Vogelgrippe. Anfang 2006 wußte man: Tamiflu wird ein Milliardengeschäft. Aber eines, an dem die US-Entwicklerfirma nicht teilhaben würde. Denn die Exklusiv-Lizenz war noch in Basel.

Darum bemühten Gilead Science und die US-Regierung plötzlich die ”Doha-Declaration”. So ein Papier muss man nur richtig lesen. Dann steht schon das Passende drin. Die Doha-Deklaration redet das reale Marktgeschehen schön und verspricht Gesundheit für alle. Erst kommt die Gesundheit - dann erst die Lizenz.

Da heißt es:

"The TRIPS Agreement [das ist die Grundsatz-Vereinbarung] does not and should not prevent members from taking measures to protect public health."

Mit diesem Akzent will man Roches Monopol brechen und dem US-Markt das Tamiflu-Geschäft erhalten. Gilead Science will und soll ja laut TRIPS die Gesundheit schützen. Und darum kann die Firma nicht auf Roche warten, sondern muß selbst Tamiflu herstellen.

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