Überwachungs-Stilblüten

Autokennzeichen werden automatisch erfaßt. Verbindungsdaten werden auf Vorrat gespeichert. Der Fingerabdruck im neuen Reisepass kann berührungslos ausgelesen werden. Man muß schon Verschwörungstheoretiker der übelsten Sorte sein, um aus diesen Segnungen gleich Schreckens-Szenarien a la "1984" zu bauen. Denn in Wahrheit dienen diese Maßnahmen

  • unserer aller Sicherheit
  • unserer noch größeren Sicherheit
  • besserer Betreuung durch Behörden und Staatsorgane und nicht zuletzt
  • unserer Sicherheit.

Lieber Leser, hast du daran Zweifel? Vielleicht ein klitzekleines Zweifelchen? Dann lies die Pro-Argumente 200mal, jeweils nach den Mahlzeiten, halblaut. Nach drei Wochen sollten die Symptome des Zweifelns verschwunden sein.

Weiterlesen darf nur, wer den Sinn der Maßnahmen schon kannte, bevor er ihn hier gelesen hat.

Es gab jüngst einige kleine Probleme. Wir müssen konsequent gegen alle Saboteure der neuen Weltordnung vorgehen, die sie vielleicht ausnutzen könnten.

Das erste Problem

haben nur die Briten.

"Die britische Behörde HM Revenue and Customs, unter anderem für das Eintreiben von Steuern, aber auch für einige Wohlfahrtsprogramme zuständig, hat zwei CDs mit vertraulichen und persönlichen Daten von über 25 Millionen britischen Bürgern verloren." Berichtet heise online.

Es sind ausnahmslos alle Briten aus über 7 Millionen Familien, die Kindergeld für Kinder unter 16 Jahren erhielten. Die Daten enthalten: Name, Adresse Geburtsdatum, Versicherungsnummer, Bankverbindung. Und die engstirnigen Briten schieben gleich Panik... Bei läppischen 2 CDs! Meine Güte!

Die CDs verschwanden am 18. Oktober spurlos, und die Chefetage erfuhr es am 8. November.

Nun kommt gleich die Opposition und redet vom 'endgültigen Todesstoß für die Bestrebungen der Regierung, eine nationale Datenbank mit ID-Nummern für die Bevölkerung aufzubauen'.

Das zweite Problem

geht uns auch nichts an, sondern nur die Finanzbehörde Hamburg.

Hamburger Datenschutzbeauftragte konnten trotz eingebauter Sperren auf unzählige dem Fernmeldegeheimnis unterliegende E-Mails hunderter Behördenmitarbeiter der Finanzbehörde Hamburg aus nahezu allen fachlichen Bereichen zuzugreifen. Sie hatten Zugang zu Anschrift, Geburtsdaten und Bankverbindungen von Angestellten. Außerdem zu vertraulichen Daten von Häftlingen, Steuerpflichtigen, Angeklagten, Schülern, Asylbewerbern und auf jede Menge Passwörter der Behörde.

Die über Wochen andauernden Zugriffe wurden von niemandem bemerkt.

Diese entspannte Haltung bei dem ganzen lästigen PC Kram gehört anscheinend zur Firmenphilosophie von Dataport, die ich hier einmal lobend erwähnen möchte. Das Betriebsmotto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Cool, die Jungs :)

Dataport ist ein Betrieb der öffentlichen Hand. Noch kein Staatsbetrieb, aber auf Länderebene kümmern sich die Dataporter um die Sicherheit unserer Verwaltung. Da sie länderübergreifend 'arbeiten', konnten die Datenschützer auch vom PC in Hamburg auf Daten in Bremen und anderen Behörden zugreifen.

Wenn das so weitergeht, brauchen wir uns um die Attacken aus China keine Sorgen mehr machen: Die Chinesen räumen das Bundeskanzleramt aus und keiner wird's merken!

**********************************

Aber jetzt reichts. Jetzt ist Schluß. Gegen solche miese Propaganda müssen wir uns schützen!