Unter welchem Namen wird diese Krise des Finanzmarktes in die Wirtschaftsgeschichte eingehen? Für das Erinnern, das Selbstverständnis und das Lernen ist die Frage der Bezeichnung wichtig.
Für die Rahmenbedingungen des Bankwesens, der Währungspolitik und des Kapitalmarktes von morgen ist der grundlegende Unterschied dieser:
Hat der Staat die Krise verschuldet oder war Marktversagen die Ursache?
Dieser Unterschied geht allen weiteren Unterscheidungen vorher und färbt diese ein.
Die westeuropäischen Regierungen und die der USA beantworten derzeit die Frage fleißig und einstimmig: Der Markt hat versagt, der Staat hat gerettet und so bleibe es. Amen.
Doch die Geschichtsschreibung dereinst kann sich dem Thema sachlich nähern und dann gibt es nur ein Urteil: Zumindest der Auslöser für diese Kapitalmarktkrise war Politikversagen. Denn was in den USA, dem Zentrum des Weltkapitalmarktes, dem Ausbruch der Krise vorausging, war die perfekte Vorbereitung dieser Krise. Sie kam so folgerichtig, wie es notwendig ist, dass der Bauer, der Weizen säte, Weizen ernten wird und nicht Kartoffeln.
| Eine ältere Dame geht zur Bank. Sie will ein Sparbuch einrichten und 1000 Euro einzahlen. Sie fragt: "Ist mein Geld bei Ihnen auch sicher?" Bankangestellter: "Klar doch!" Sie fragt weiter: "Und was ist, wenn Sie pleite machen?" Bankangestellter: "Dann kommt die Landeszentralbank auf." Sie überlegt weiter, "Und wenn die pleite machen?" "Dann kommt die Bundesbank auf." Sie nickt erleichtert, zögert dann aber noch einmal: "Und wenn die pleite macht?" Bankangestellter: "Dann tritt die Bundesregierung zurück, und das sollte Ihnen nun wirklich die 1000 Euro wert sein!" |
Hans D. Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, schrieb zur Vorgeschichte der Finanzkrise in der F.A.Z. vom 10.10.2008:
"Die Indienstnahme der Geld- und Zinspolitik für den vermeintlich sozialen Zweck einer forcierten Förderung des Eigentumserwerbs an Immobilien; die amtliche Werbung für den Immobilienerwerb als soziale Errungenschaft; die Aufforderung an die Banken, sich dem Projekt durch leichtgängige Kreditvergabe zur Verfügung zu stellen; die staatlich geforderte und mindestens durch kundiges Schweigen geförderte Refinanzierung durch eine Verbriefungstechnik, die jeder Transparenzvorschrift des Bilanzierens hohnspricht: Das alles erscheint heute als sicherlich nicht gewollte, aber systematisch ins Werk gesetzte Vorbereitung eines Vertrauensklimas, in dem jeder jeden verdächtigt, nicht mehr zu wissen, was sich hinter seinen Bilanzpositionen verbirgt.
Bei einer so geminderten Transparenz der Qualität aller für das System unabdingbar notwendigen Ketten von Transaktionen ist nicht verwunderlich, dass einmal schlagartig der Punkt erreicht wird, von dem an alle Wertangaben in Frage stehen. Der offene Ausbruch dieser Krise begann mit dem Erstaunen und dann mit dem Entsetzen der Kunden an den Schaltern für die Kleinumsätze. Sie wurden noch ausbezahlt. Aber das Vertrauen war dahin. Das war der Augenblick, an dem die Politik sich mit „Rettungspaketen“ zu Wort meldete. Die Krise hat mit Politikversagen begonnen. Auf einem Markt mit den systemischen Eigenschaften des Kapitalmarktes ist es aber auch kein Wunder, dass die Fortsetzungsfolgen alsbald im Rhythmus der Bankschalter rund um die Erde liefen. (...) Sicher ist: Ohne eine Menge Politikversagen wäre der Kapitalmarkt nicht unter diesen Stress gesetzt worden. Das erklärt nicht alles. Aber es sollte nicht außer Acht bleiben."
Und das führt uns zur nächsten Frage:
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| Der schwarze Donnerstag 1929. Menschen an der Wall Street nach dem Börsenkrach. (wikipedia, public domain) |
Diese Frage wird später noch deutlicher zu beantworten sein. Aber schon heute sind zumindest einige Anhaltspunkte zu sehen:
Ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt es: Die Weltwirtschaftskrise 1929 war ein Wegbereiter rechter und linker Diktaturen. Wenn wir nicht aus der Geschichte lernen, werden wir sie wiederholen.
Eine andere Reaktion auf die Krise Ende der Zwanziger Jahre war der um sich greifende Wohlfahrtsstaat - die Initiation der staatlichen Eingriffe und Übernahme traditioneller Familienfunktionen. Es kann sein, dass er die aktuelle Krise für ein Comeback nutzen kann. Es kann aber auch anders kommen: er verschluckt sich an seinen "Wohltaten" und geht bankrott. Das wäre nicht das Ende der Welt, nur das Ende mancher politischen Karriere.
"Nehmen wir an, Sie wären ein kompletter Idiot. Und nehmen wir weiter an, Sie wären Abgeordneter.... aber ich wiederhole mich."
Mark Twain
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