Bürgerl. Name: Karl Werner Lothar Koch. Geboren am 22.07.1965 in Hannover, gestorben am 23.5. 1989
Karl Koch selbst beschrieb seine Kindheit als düster und voller Familienkonflikte. Die Eltern waren geschieden. Seine Mutter, Agnes Koch, starb, als Karl 11 war. Karl zog dann zu seinem Vater, der Alkoholiker war.
Schon mit 16 nahm Karl Haschisch und Beruhigungsmittel. In der 11. Klasse unterbrach er die Schule. Die Zeit nutzte er für eigene Projekte: Schon länger war er in Schülergruppen bis hinauf zur Landesebene aktiv. Sein Organisationstalent und seine Begeisterungsfähigkeit waren für Feten und Konzerte gefragt. Sogar für die liberale Friedrich-Ebert-Stiftung hielt Koch Vorträge. Vom Geld, das er als Schülervertreter verdient hatte, kaufte er sich seinen ersten Computer. Politisch stand er links, war in der Anti-AKW-Bewegung aktiv.
Desillusioniert vom Polit-Aktivismus, suchte Karl Koch Antworten in Büchern. Sein Lieblingsbuch war „Illuminatus“ von Robert Anton Wilson. So begann seine Suche nach wirklichen Antworten, nach einem Verstehen größerer Zusammenhänge.
Wie schon seine Mutter, erkrankte Karls Vater ebenfalls an Krebs. Das war Anfang der 80er. 1984 starb der ungeliebte Vater. Karl war auf einen Schlag reich - er erbte als Neunzehnjähriger 100.000 Mark.
Karl war begeistert von den Möglichkeiten des Computers - einem Gerät, das damals noch in den Kinderschuhen steckte. Von seinem Erbe konnte er sich einen größeren Rechner kaufen: ein Atari ST Entwicklungspaket. Die Hasch-Visionen des "Illuminatus" und die Faszination an Bits und Bytes bündelten sich im Hacken. Die Hacker lösten die Hippies ab. Sie wollten die Welt nicht durch Erleuchtung und Liebe, sondern durch Computermanipulationen verbessern.
Karl Koch wählte den Code-Namen der Hauptfigur aus „Illuminatus“: Hagbard Celine. Seinen Rechner nannte er - ebenfalls von Wilson inspiriert - FUCKUP: First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra micro Programmer. Sein Wissen erwarb er autodidaktisch, mit Büchern wie dem „Handbuch für Hacker“. 1985 gründete er den Computerstammtisch in Hannover. Es war neben dem CCC in Hamburg der zweite große Hackertreff in Deutschland.
Vieles daran ist ungeklärt. Sicher ist: am 23.5. 1989 kehrt er von einer Dienstfahrt für die CDU-Landesgeschäftsstelle Niedersachsen nicht zurück. Seine Freunde suchen ihn. Kurz darauf auch der Verfassungsschutz. Erst am 25.5. wird er als vermißt gemeldet. Am 1.6.1989 findet man in einem Waldstück bei Ohof die verkohlte Leiche von Karl Koch im ausgebrannten Auto. Anscheinend wurde er mit Benzin übergossen und angezündet. Immer wieder wird vermutet, daß das kein Selbstmord war.
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