Frederick Forsyths Polit-Thriller "Die Akte Odessa" handelt von einer geheimnisvollen SS Organisation, die ihre Mitglieder nach dem Krieg ins Ausland schleust. Eine der wichtigsten Quellen Forsyths (auch bekannt als Autor des Thrillers "Der Schakal") war der Österreicher Simon Wiesenthal. Der hatte mehrere Bücher über seine Jagd auf Eichmann veröffentlicht und darin von der großangelegten Fluchthilfe für ehemalige Nazigrößen nach Argentinien berichtet.
Jedenfalls Heinz Schneppen wierlegt mit seinem Buch "Odessa und das Vierte Reich. Mythen der Zeitgeschichte" Wiesenthals & Forsyths Recherchen: Odessa ist "eine reine Fiktion, ein Mythos. Alle seriösen Erkenntnisse sprechen gegen die Existenz" der Fluchtorganisation.
Nach Schneppen kam die Geschichte im vorletzten Kriegsjahr ins Rollen. Am 10. August 1944 gab es im Hotel Maison Rouge in Straßburg (Bild links) eine Konferenz hoher deutscher Ministerialbeamter und fürhender Rüstungsproduzenten. Dort wurde entschieden, einen Großteil des Reichsvermögens ins Ausland zu schaffen. Allein, dafür fehlten in der Endphase des Krieges einfach die Mittel.
Sagt Schneppen. Wiesenthals Szenario geht hier so weiter, daß kurz nach der Konferenz erhebliche Vermögenswerte auf Geheimkonten nach Spanien, in die Türkei und Südamerika transferiert wurden. Auch das Projekt "Neuschwabenland" soll damit in Zusammenhang gestanden haben.
Schneppen zufolge gelang nach April '45 vielen die Flucht ins Ausland mithilfe des Roten Kreuzes oder der katholischen Kirche. Als gesichert gilt, daß allein 40.000 Deutsche in der Nachkriegszeit nach Argentinien auswanderten.
So geht es letztlich um die Frage, wie man die Fluchtorganisation nennt bzw. wer wo die Fäden zog? Es scheint so. Aber...
Schneppens Version gerät in Widerspruch mit der Gestasi Arbeit. 1961 (im Jahr, als Wiesenthal anfing zu veröffentlichen) legte die STASI ein "Dossier Odessa" an. Darin folgte man weitgehend der Odessa Akte und konzentrierte sich auf die Rolle des Vatikan und der katholischen Kirche. Interessantes Puzzlestück:
1944 bereitete der Vatikan-Botschafter E. von Weizsäcker bei Papst Pius XII. die Schleusung gefährdeter Personen und größere Vermögenstransfers nach Italien vor. - Daß es davon heute keine Aufzeichnungen mehr in Rom gibt .... wen wundert's?
Schlafende Hunde sollte man nur wecken, wenn man auf der anderen Seite der Mauer steht.
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