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Er gilt als Übervater der Verschwörung. Es wird kaum noch zur Kenntnis genommen, dass Prof. Adam Weishaupt ein führender Geist in einem Zentrum der Aufklärung war. Ingolstadt mag heute weiß-blaue bayerische Provinz sein - im 18. Jahrhundert war es ein weltoffener Brennpunkt des europäischen Fortschritts.

Bild links: Ingolstadt, erste Hälfte des 17. Jahrhunderts.
1472 wurde in Ingolstadt die erste Bayerische Landes -Universität gegründet. Diese zählte in den ersten Jahren ihres Bestehens neben Prag und Wien zu den bedeutendsten im gesamten deutschsprachigen Raum. Dass Adam Weishaupt hier lehrte, der Gründer der Illuminaten, machte die Universität noch legendärer.
Weishaupts Arbeit war einer der Gründe dafür, dass Mary Shelley ihren Roman "Frankenstein oder Der moderne Prometheus" (veröffentlicht 1818) in Ingolstadt handeln läßt. Ihr Mann, der Dichter Percy Bisshey-Shelley, soll den Ideen der Illuminaten sehr nahe gestanden haben.
Das 19. Jahrhundert war eine neue Epoche. Es war die Zeit der Großstädte, der Industrialisierung und des hemmungslosen Kapitalismus. Und das 19. Jahrhundert war die Zeit der Aufklärung. Ein modernes Menschenbild wurde entwickelt. Der Erfolg der Illuminaten ist zum großen Teil auf diese neue Strömung der Aufklärung zurückzuführen.
Adam Weishaupt wurde am 6. Februar 1748 in Ingolstadt geboren. Sein Vater war Professor für Rechtswissenschaft. Der junge Weishaupt besuchte das Jesuiten-Gymnasium in Ingolstadt. Mit 15 Jahren verließ er die Schule, um sich dem Studium der Philosophie, der Geschichte und Staatswissenschaften zu widmen.
Der junge Adam Weishaupt wurde besonders von seinem Vater und seinem Paten Adam Ickstatt im Geiste der Aufklärung erzogen. So begann er sofort nach dem Abschluss seiner juristischen Studien im Sinne dieser Lehren zu wirken. Als wissensdurstiger Aufklärer und durch seinen Ehrgeiz entwickelte er sich zu einem Gegner des Jesuitenordens. Da der Orden der Jesuiten die Universität beherrschte, schuf sich Weishaupt Feinde.
Weishaupt promovierte 1768 zum Doktor der Philosophie; vier Jahre später wurde er auch Professor für Kirchenrecht.
So war Weishaupt Professor für Natur- und Kirchenrecht in Ingolstadt. Seit 90 Jahren wurde diese Stelle von Jesuiten ausgefüllt. Der Aufklärer Weishaupt fand indes großen Zulauf. Somit hatte der Neuling und Konkurrent Neider unter den Altvorderen. Er nennt noch Jahre später Martin Lehenbauer seinen ärgsten Feind, ausgehend von seinen Fehden mit den Jesuiten. Diese Angriffe gegen Weishaupt sollten dem Professor später noch schwer zu schaffen machen...
Weishaupt begann das Studium freimaurerischer Schriften. Weishaupt verstand es, die maurerische Grundidee von den Entgleisungen und dem Zeitgeist zu trennen. So sah er die Freimaurerei anders als bekennende Freimaurer. Bis 1785 war Weishaupt Professor für kanonisches Recht und Philosophie an der Universität Ingolstadt.
Was wissen wir über die private Seite des Adam Weishaupt? Wissen wir überhaupt etwas? Ja, und es ist geeignet, viele Vorurteile über ihn ins Wanken zu bringen. 1777 wurde Weishaupts Frau schwer krank. Ihre Schwester zog zu den Weishaupts, um sie zu pflegen, was den Tod seiner Frau am 8. 2. 1780 nicht verhindern konnte. Weishaupts Schwägerin blieb bei ihm, und bald wurde aus der pragmatischen Beziehung mehr. Nach der Trauerzeit informierte sich Weishaupt über seine Chancen einer Heirat mit seiner Schwägerin.
Die Antwort: die neue Ehe ist chancenlos, weil sie als blutschänderisch und darum als verboten galt. Die Hoffnung auf einen Erfolg, dass die Heirat durch einen Dispens des Papstes gestattet würde, wäre äußerst gering. Freunde rieten, seine Chancen wären höher, wenn die Frau erst einmal von ihm schwanger ist. Das lehnt Weishaupt ab; er versucht den Dispens.
Ein Brief an einen Freund zeigt seine Verzweiflung, trotz der Engstirnigkeit der Zeitgenossen seine Selbstachtung zu wahren und wieder eine Ehe zu führen. Spricht hier ein intriganter Machiavelli, der die Welt unterwandern will? Oder eher Romeo, der um sein Glück kämpft?
"Nach wiederholten Schreiben kam man endlich dahin überein, daß die Sache von meinem Bischoff dringend empfohlen werden müsse. Dieser Vorschlag war vernünftig, aber die Schwierigkeit war nicht gering. Der Herr Vicarius generalis, der berühmte Herr Martin Lehenbauer [der erklärte Gegner Weishaupts seit Beginn der Professur], war durch Anempfehlung der Jesuiten, mein abgesagtester Feind; diese erhielten also auf diese Art Nachricht von meinem Gesuch, und nur durch diese Hände konnte es gehen. Ich konnte aber vorhersehen, welches der Erfolg seyn würde. Meine Schwiegereltern erwählten einen Mittelweg, sie wandten sich geradezu an Se. Hochfürstlichen Gnaden. Hochdieselbe empfahlen diese Sache nachdrücklichst an ihr Consistorium. Dieses beschloss, das Gutachten der Theologischen Facultät zu Ingolstatt zu erhohlen.
(...) Alle Welt versicherte mich, nun könne es nicht fehlen, in 6 oder 8 Wochen würde ich unfehlbar im Besiz meiner Frau seyn. Nun sage mir alle Welt, was ist hier gottloser, was, das ein Sittenverderbnis, eine Bösartigkeit verräth. Jacob hat beynahe nicht so lange um seine Rahel gedient. Schon im Jahre 1779 will ich diese Frau heyrathen, drey ganze Jahre schreibe ich in aller Welt und aller Orten um die Erlaubniss herum.
Ich habe Hofnung sie zu erhalten; meine Schwägerin wohnt bey mir unter einem Haus, alle Welt versichert mir den Erfolg meines Gesuchs als unausbleiblich und gewiss; ist es nun bey diesen Umständen so entsezlich gefehlt, wenn ein Mann, der sich so wenig zerstreut, der mit solchen Unmuth und Sorgen unaufhörlich zu kämpfen hat, der stündlich diese Bewilligung zu seiner Heyrath erwartet, - sich in einer schwachen Stunde dahin reissen lässt, wenn er glaubt, dass er sich nach so vielen marternden Stunden, von seinem Kummer in dem Schoos einer Freundin erhohlt, deren Besiz ihm alle Welt, als unausbleiblich, als nächst bevorstehend versichert? Wo ist nun die Schandthat? wo die Heucheley? wo das Verderbnis der Sitten? Es war gefehlt, das läugne ich nicht: aber wenige Menschen haben verzeihlicher gefehlt. (...)"
Danach ging Weishaupts Gesuch den Weg der Bürokratie - und blieb dort liegen... "Ich musste mich also neuerdings an Eichstädt wenden. Ich erhielt zwar nun die noch abgängige Producte, aber an eine weitere nachdrücklichere Empfehlung war unsers Ansuchens ungeachtet nicht zu denken." (A. Weishaupt, "Kurze Rechtfertigung meiner Absichten")
„Die Grade der Freimaurerei sind sogar öffentlich gedruckt; was kann eine geheime Gesellschaft wirken, welche so wenig Geheimnis hat, daß ihre ganz innere Verfassung der übrigen Welt bekannt ist?“
Adam Weishaupt
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